[Rezension] Thilo Corzilius – „Ravinia“

[Rezension] Thilo Corzilius – „Ravinia“

1. Juli 2019 0 Von Anja liest

Klappentext

 

An ihrem sechzehnten Geburtstag erhält Lara einen Schlüssel, der sie in die Victoria Street in Edinburgh führt – egal, durch welche Tür sie tritt. Bald merkt das junge Mädchen, dass der Schlüssel auch das Tor in eine andere Welt öffnet: In der Stadt Ravinia, in der magisch talentierte Wesen ebenso wie Traumtänzer zu Hause sind, entschlüsselt Lara das Geheimnis ihrer Vergangenheit und erfährt dabei von einer mysteriösen Verschwörung. Sie selbst muss über das Schicksal Ravinias entscheiden. Gemeinsam mit dem rätselhaften Schlüsselmachergesellen Tom versucht Lara, Ravinia vor dem Untergang zu bewahren …


 

Meine Meinung

 

Wenn man so einige Fantasy-Romane gelesen hat, erscheinen einen alte verschnörkelte Schlüssel wie magische Objekte. Auch wenn man weiß, das sie vielleicht nur zu einer Truhe gehören, hat man die Hoffnung eine verborgene Welt, damit öffnen zu können. So in etwa erging es Lara im Buch, welche einen Schlüssel zum Geburtstag bekam, der sie in eine andere Welt führte. Hach, muss das schön sein, besonders wenn man dann auch noch erfährt, wer die eigenen Eltern waren und warum sie nicht mehr da sind. 

 

Schlüssel und magische Portale sind an sich nichts Neues mehr, weshalb ich nach den ersten Seiten dachte „Och nee, nicht schon wieder!“. Doch diese Meinung änderte sich schnell, da schon die Seiten danach, mich in eine interessante Welt warfen, die voller neuer Möglichkeiten steckte. So wurde mir auch der Weg nach Ravinia geöffnet, einer Stadt in der das Handwerk und Fertigkeiten ihr Zuhause nennen dürfen. In Ravinia wohnen nämlich grundsätzlich Bewohner, die ihr Fach fast bis zur Perfektion beherrschen und darüber hinaus auch noch weitere Begabungen haben. Da sie diese in der normalen Welt niemals ausleben könnten, wurde Ravinia erschaffen, eine Stadt in der nichts unmöglich scheint. 

 

Auch wenn Lara als Hauptcharakterin keine all zu schlechte Besetzung war, hatte ich das Gefühl, das der eigentliche Mittelpunkt der Geschichte die Stadt selbst war. Lara, der Uhrmacher Baltasar, sein Lehrling Tom und noch viele weitere Einwohner lernte ich kennen und teilweise sogar zu schätzen, doch irgendwie wollte der Funke nicht überspringen. Tatsächlich interessierte mich die Stadt und deren Geschichte viel mehr, da es hier viele offene Fragen gab. Besonders der Standpunkt der Stadt blieb ein Rätsel, was seiner mysteriösen Natur nur noch mehr Auftrieb gab. Besonders packte mich der Umstand, das nicht nur Künstler, Handwerker oder Forscher diese Welt für sich entdeckt hatten, sondern auch Träumer. Personen, die den Tag verdudelten und sich manchmal mit Diebereien durchs Leben schlagen.

Klang für mich erst einmal komisch, denn was machte die Stadt nun besonders? Immerhin gab es in ihr genauso strebsame, wie auch faulere Personen. Diese Frage klärte der Autor mit seiner ganz eigenen Weltansicht, der ich durchaus recht geben konnte. Allgemein wurde nichts wirklich gutgeheißen. Sogar die Stadt selbst kritisierte er, weil sie natürlich nicht ohne Fehler war. Menschen, die ihr Wissen oder Können so ausgereift haben, das es an Zauber glauben ließ, neigen dazu überheblich und egoistisch zu werden. Diesen Gedanken, in eine sonst sehr magische Welt mit einzufügen, fand ich nicht nur mutig, sondern auch sehr realistisch. Die Welt wirkte dadurch gleich viel echter und auch emotional sehr viel tief gehender. 

 

Auch wenn ich den Ansatz und die moralischen Gedankengänge sehr interessant fand, nahm die Spannung ab der Mitte des Buches deutlich ab. Lara, die so schon nicht sehr auffiel, wurde fast noch unbedeutender, da es schließlich nicht nur darum ging Schlüsselmacherin zu werden, sondern auch das Böse zu bekämpfen, welches aus meiner Sicht viel zu schnell und viel zu verwirrend dargestellt wurde. Ich bekam soviel Hintergrundwissen, das ich vor lauter Informationen nicht mehr wusste, wohin es denn nun eigentlich ging. Hätte man diesen Bereich vielleicht eher in das Buch gepackt, wäre es angenehmer gewesen. So, verzweifelte ich fast nur noch. 

 

Wenn ich aber etwas liebe, dann sind es Karten der Büchern. Gerade wenn es eine neue Welt ist, die dazu auch noch eine gewisse Größe hat, nutze ich dieses Extra sehr gerne. Die Karte vorne im Buch half mir sehr, da nur die wichtigsten Punkte eingezeichnet waren. Allerdings hinterließen nicht nur das Cover und die Karte einen guten Eindruck, sondern auch die Anfänge der Kapitel. Diese waren stets mit dem Buchcover versehen und bargen neben der Zahl des Kapitels, auch eine kleinen Hinweis darauf was einen erwartete. 

 

Der gute Start des Buches, endete damit, dass ich doch recht enttäuscht aus dem Buch ging. Das war sehr schade, denn an Fantasy und Ideenreichtum hatte es dem Autor nicht gemangelt. Auch der Schreibstil war fesselnd, da er ein Händchen für Details bewiesen hatte. Allerdings kam es mir so vor, als hätte er sich am Ende, in seiner eigenen Geschichte verzettelt. 

 

Mein Fazit

 

Eine tolle Idee, eine interessanter in die Geschichte, doch irgendwann bekam ich das Gefühl mehr durch die Welt durch geschubst zu werden, als sie wirklich kennenzulernen. Man hätte nicht alles in ein Buch packen müssen, denn Ravinia und seine Bewohner lieferten soviel Gesprächsstoff, das man Teile davon in den 2. Band hätte packen können. So war es zu plötzlich, zu viel. 


Piper Verlag 400 Seiten – Softcover: 12,95 € – eBook: 9,99 € – Jugendbuch/Fantasy – 01.03.2011 –

ISBN: 978-3492267618


Die Bewertung


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