[Rezension] Stephen und Owen King – Sleeping Beauties

22. Februar 2018 3 Von Anja liest


Preis: 28,00 €
Einband: Hardcover
Genre: Gegenwartsliteratur/Mystery
Seitenanzahl: 960 Seiten
ISBN: 978-3-453-27144-9
Veröffentlichung: 13.11.2017
Verlag:  Heyne Verlag

Die Welt sieht sich einem faszinierenden Phänomen gegenüber. Sobald Frauen einschlafen, umhüllt sie am ganzen Körper ein spinnwebartiger Kokon. Wenn man sie weckt oder das unheimliche Gewebe entfernen will, werden sie zu barbarischen Bestien. Sind sie im Schlaf etwa an einem schöneren Ort? Die zurückgebliebenen Männer überlassen sich zunehmend ihren primitiven Instinkten. Eine Frau allerdings, die mysteriöse Evie, scheint gegenüber der Pandemie immun zu sein. Ist sie eine genetische Anomalie, die sich zu Versuchszwecken eignet? Oder ist sie ein Dämon, den man vernichten muss? Schauplatz und Brennpunkt ist ein kleines Städtchen in den Appalachen, wo ein Frauengefängnis den größten Arbeitgeber stellt.
Quelle: Heyne Verlag

Ja, bei mir ist aktuell das „King“-Fieber ausgebrochen. Ich merke immer mehr wie viele Bücher ich bereits verpasst habe und würde dies am liebsten im Akkord verändern. Leider sind die meisten Bücher von Herrn King echte Schwergewichte und nicht mal eben an 2 Tagen durchgelesen. 

Das „Sleeping Beauties“ in meinen Händen liegen durfte, verdanke ich dem Bloggerportal, dem ich ganz herzlich dafür danke. 

Auch wenn mir dieses Buch sehr gefiel, so muss ich doch sagen, das ich noch nie in meinem Leben in den Fingern Muskelkater hatte. Ich wurde also förmlich dazu gezwungen das Buch ein paar Mal aus der Hand zu legen. Das hatte ich auch noch nie. 🙂
Beim Aufschlagen des Buches staunte ich nicht schlecht, als mich ein enorm langes Personenverzeichnis ansprang. Ich bin ein großer Fan solcher Listen, da sie mir schon mehr als einmal geholfen haben, einen Charakter korrekt zu zuordnen und freute mich daher hier eine vorzufinden. Die Liste selbst überflog ich anfangs nur, da die schiere Menge an Namen nicht merkbar war. Im Laufe der Geschichte, stellte ich dann fest, das ich sie überhaupt nicht benötigte, da ich mit jedem Namen etwas verband und ihn einer Person zu ordnen konnte. 

Die Geschichte begann und nach ein paar Seiten war ich schon an diese Welt gefesselt. Sie wirkte so echt, so glaubhaft, so natürlich. Gerade am Anfang holperte ich noch ein wenig über die vielen Namen, da es einen stetigen Charakterwechsel gab und man sich sehr schnell an neue Einsichten gewöhnen musste. Dies legte sich aber schnell und man konnte das Buch richtig genießen.

Wie man schon in der Kurzbeschreibung erlesen kann, entwickeln die Frauen, die einschlafen, eine Art Kokon um sich, welcher bei Entfernung, die Frauen zu Bestien werden lässt. Kurz um, die Welt ist plötzlich ohne Frauen und die Männer haben nun die ehrenvolle Aufgabe damit zurecht zu kommen. Das ganze Buch über erleben wir die unterschiedlichsten Reaktionen auf dieses Phänom, was einen, gerade als Frau, schon große Angst machte. Einige Männer verzweifeln, andere Männer freuen sich und wieder andere ärgern sich nur das sie niemanden mehr für ein Schäferstündchen haben. Es wird ganz klar gezeigt, wie wir Frauen in der Gesellschaft stehen und das auf eine sehr ehrliche Weise. 

Die ersten dreiviertel des Buches las ich mit Spannung und konnte es kaum erwarten die nächste Seite auf zu schlagen. Gerade zum Ende legte sich dies aber etwas, da man plötzlich sehr langsam voran kam und die Geschichte nicht so recht voran gehen wollte. Das war etwas frustrierend, aber die Neugier auf das Ende war einfach so groß, das ich nur weiter lesen konnte. Das Ende selbst hätte dann doch etwas ausführlicher sein können. Noch immer habe ich offenen Fragen und weiß nicht was was ist. Das ist sehr schade, aber eben typisch King. Schön war ebenfalls wie geschmeidig man durch das Buch kam. Es las sich sehr flüssig und beschrieb Gegenstände usw. zwar sehr ausführlich, aber immer so, das man sich ein genaues Bild davon machen konnte.


Die Liste selbst aufzuzählen würde den Rahmen einer Rezension sprengen, denn dafür gibt es einfach zu viele Charaktere. 

Die wohl wichtigste Person im Buch ist Evie, deren echten Namen wir allerdings nie erfahren werden. Sie taucht auf, als die Frauen anfangen nach dem Einschlafen Kokons zu bilden und sorgt mit ihrer mystischen Art für so einige Aufregungen. Trotzdem fand ich sie einfach nur faszinierend, nicht immer sympathisch, aber eben einzigartig. 

Wie schon oben gesagt erleben wir einen stetigen Wechsel der Charaktere. Es gibt kaum jemanden aus dessen Sicht wir nicht einmal etwas erfahren, was anfangs noch verwirrend ist, aber bald schon eine reine Gewohnheitssache wird. 
Dabei erfahren stets etwas über die Person. Dies kann sowohl positiv als auch negativ sein, aber ist jedes Mal etwas, was wir allein mit dieser Person verbinden. 

Wie sehe unsere Gesellschaft ohne Frauen aus? Diese Frage stellt uns das Buch und gleichzeitig beantwortet sie es auch. Im Buch gibt es Personen mit den verschiedensten Charakterzügen und man belügt sich selbst, wenn man nicht wenigstens einen Charakter seinem näheren Umfeld zu ordnen könnte. Und genau das macht das Buch so fabelhaft. Denn es wirkt so echt, das man meinen könnte, Evie, würde auch zu uns kommen. 

Klischee´s über Männer? Natürlich gab es Personen wie der tyrannisierende Familienvater, der Säufer, der verschlossene Psychiater, der Nichts-Könner und wie sie man sie nicht alle bezeichnen könnte. Aber über einen Kamm scherten die King´s die Männer deswegen noch lange nicht. Sie versuchten jedem einen eigene Identität zu geben. Dabei entwickelten die Männer im Buch so viele Charakterzüge das man keinesfalls sagen könnte, das hier von Klischee´s gesprochen wird. Zudem wird im Buch auch von denen gesprochen, die Frauen als Gleichgesinnte sehen, denn ja, solche Männer gibt es eben auch.

Das Zusammenspiel aller Charaktere war ein wahres Fest, auf dem ich mich sehr willkommen fühlte. Sowohl die weiblichen als auch die männlichen Protagonisten konnten mich überzeugen und hinterließen einen bleibenden Eindruck. So wie es eben sein sollte.


Wenn dieses Cover eins ist dann einfach nur wunderschön. 
Die Motte, welche eine große Rolle im Buch spielt, wurde schön zentral platziert und stellt mit den Augen auf ihren Flügeln Evie dar. 

Besonders angetan hat es mir allerdings die Schrift. Ich hätte es toll gefunden, wenn auch die Namen der Autoren in der verschnörkelten Schrift des Buchtitels gewesen wären, da mir diese außerordentlich gut gefällt.Irgendwie gibt dieser Schrifttyp dem Ganzen etwas mystisches.


Ein spannender Roman von Vater und Sohn, der einzigartig war. Ein ausführlicheres Ende und das Buch wäre von vorne bis hinten ein Abenteuer geworden. So blieb ich etwas ratlos zurück.


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