[Rezension] Oskar Panizza – Die Menschenfabrik

[Rezension] Oskar Panizza – Die Menschenfabrik

21. Juni 2019 3 Von Anja liest

Klappentext

 

Schon 1890, lange vor Orwell und Huxley, hat Oskar Panizza sich in Die Menschenfabrik prophetisch, fesselnd und verstörend mit den Gemeinsamkeiten und Unterschieden von Mensch und Maschine auseinandergesetzt. Seine Erzählung handelt von der Optimierung der Menschheit, von der drohenden Herrschaft der künstlichen Intelligenz – und fragt danach, was den Menschen überhaupt ausmacht.

 


Meine Meinung

 

Auch wenn ich weder den Autor noch seine Geschichten kannte, faszinierte mich der Klappentext so sehr, dass ich mich in diese Erzählung stürzen musste. Daran hinderte mich auch nicht die Geschichte selbst, welche trotz ihres fast 130-jährigen Bestehens, nicht an Aktualität verloren hatte, sondern eher der Schreibstil. 

 

Aber erst einmal zur Geschichte, welche wie ein klassischer Horrorroman begann. Ein Auto bleibt liegen, der Fahrer irrt daraufhin durch die Gegend und stößt auf ein Gebäude, welches sich als Fabrik entpuppt und bei der er nach klopfen und klingeln von einer kleinen schwarzen Gestalt hineingebeten wird. Mein erster Gedanke war natürlich das Handy, aber hey, ich befand mich in einer Zeit, in welcher diese Errungenschaft noch nicht existierte und musste somit erleben, wie der namenlose Protagonist in die Fabrik eintrat. 

 

Was er zu sehen bekam? Menschen. Menschen, die aus Lehm geformt wurden und denen nach Wunsch Merkmale wie Religion, Hautfarbe oder Kleidung gegeben, aber nie wieder genommen werden konnten. Wo es den gemachten Menschen an Aktualität bezüglich ihres Aussehens nicht mangelte, fehlte ihnen doch eine wichtige Sache und das war das Denken. Wieso, weshalb und warum, erfuhr man zum Glück im Buch.

 

>>kenn´ ich, weiß ich, wir sind vollständig orientiert über die Bedürfnisse des Jahrhunderte, wir wissen, wo es unserer Rasse gebricht, wir haben das Neueste!…<<

 

Wenn mir dieses Buch eines gab, dann genug Stoff zum Nachdenken. Besonders die Unterhaltung zwischen dem Direktor und dem Mann zeigte auf, wie unterschiedlich die Ansichten über diese Art der Menschen waren. Während der Mann kein Verständnis für die Produktion hatte und auch nicht verstand, wieso man Menschen produzieren müsse, zeigte der Direktor mehrere Gründe auf, weshalb diese einen entscheidenden Vorteil hätten. Hier möchte ich das Wort „Kapitalismus“ in die Runde werfen, welches ab Beginn der Unterhaltung förmlich, als Überschrift, darüber schwebte. 

 

Neben der Interpretation des Textes war es jedoch der Schreibstil selbst, bei welchem ich ein wenig aneckte. Dieser wirkte fast durchgehend eintönig und kantig, da man auf Details überhaupt nicht einging und dem Protagonisten nicht einmal einen Namen gab. Besonders irritiert hatte mich jedoch das Ende, welches ich bis jetzt nicht verstehe. Wer diese Art von Texten zu schätzen weiß, wird seine Freude haben, für mich war er leider etwas zu kryptisch.


Mein Fazit

 

Oskar Panizza war seiner Zeit weit voraus und erschuf eine Geschichte, die auch aus der heutigen Zeit stammen könnte. Der Wert von Menschen gegenüber Robotern oder Maschinen wird auf faszinierende Weise dargestellt, irritiert mich aber auch aufgrund seiner sehr philosophischen Erzählweise. Trotzdem ist dies ein Werk, das wohl locker nochmal 130 Jahre überleben wird und dabei nicht an Präsenz verlieren wird. 

 


Infos zum Buch

Hoffmann und Campe Verlag 64 Seiten – Hardcover: 14,00 € – eBook: 7,99 € – Sci-Fi – 05.02.2019 – ISBN: 978-3-455-00581-3


 

Die Bewertung

Ein großes „Danke schön“ an den Hoffmann und Campe Verlag, für das Rezi-Exemplar