„Du bist also wirklich der Herr der Diebe“, sagte der Fremde leise. „Nun gut, behalte deine Maske auf, wenn du dein Gesicht nicht zeigen möchtest. Ich sehe auch so, dass du sehr jung bist.“

Der Herr der Diebe – das ist der geheimnisvolle Anführer einer Kinderbande in Venedig, die er mit dem Verkauf der Beute aus seinen Raubzügen über Wasser hält. Keiner kennt seinen Namen, seine Herkunft. Auch nicht Prosper und Bo – zwei Ausreißer, die auf der Flucht vor ihrer Tante und dem Detektiv Victor Unterschlupf bei der Bande gefunden haben. Als Victor den Kindern tatsächlich auf die Spur kommt, bringt er dadurch alle in Gefahr. Aber endgültig scheint die Gemeinschaft der Bande aufzubrechen, als ein rätselhafter Auftrag, erteilt von dem mysteriösen „Conte“, die Kinder auf eine Laguneninsel führt. Diese Insel, von außen unbewohnt und einsam scheinend, birgt ein Geheimnis, das alles verändert.
Cornelia Funke, die schon mit ihrem zum Bestseller gewordenen Titel DRACHENREITER zeigte, welch weiten Atem ihr Erzähltalent hat, hält ihre Leser – gleich welchen Alters – auch mit diesem Buch von der ersten Zeile an gefangen. Sie führt uns durch ein winterliches Venedig, verstrickt uns in verwirrende Rätsel und erfüllt ihren Helden am Schluss einen alten Menschheitstraum.


 

 

Auch wenn ich die Optik der Film-Ausgabe als nicht besonders schön empfand, wollte ich endlich die Geschichte vom Herrn der Diebe kennenlernen. Immerhin sollte es sich hier um eines der erfolgreichsten Bücher von Cornelia Funke handeln, was mich zusätzlich dazu ermunterte eine Reise ins Buch zu wagen. 

 

Als ich dann die Geschichte begann, war ich bereits nach ein paar Seiten einfach nur verzaubert. Dies lag nicht nur an den wundervollen Beschreibungen von Venedig, sondern auch am leichten, aber doch fesselnden Schreibstil. Dazu kamen die herrlichen Charaktere wie Victor, Bo, Prosper oder Riccio, welche ganz Kind waren, aber mich mit ihrer Art und Weise einfach einnahmen. Natürlich waren auch Erwachsene im Buch zu finden. Diese versprühten den gleichen Charme, auch wenn sie etwas skurriler waren. Dies nahm der Handlung aber keineswegs die Spannung, da alles einfach stimmig wirkte. Egal ob Bo´s Verträumtheit und liebe zu den Staturen der Stadt oder Barbarossa´s Hang zu nicht ganz legalen Verkäufen, es fühlte sich einfach gut an diese Charaktere dabei zu haben. 

 

Allerdings wunderte ich mich sehr lange darüber, warum dieses Buch im Bereich Fantasy eingeordnet wurde. Immerhin erlebte ich bis zur Mitte des Buches nichts, was darauf hindeuten würde, das es hier etwas Magisches oder Besonderes gab. Natürlich war da der Herr der Diebe, welcher mit Einbrüchen sich und seine Kinderbande über die Runden brachte. Nicht zu vergessen auch die Geschichte von Prosper und Bo, welche sich auf der Flucht vor ihren Verwandten befanden. Doch wo blieb die Magie?

 

Diese folgte ab der Hälfte des Buches und verzauberte mich dann richtig. Aufgrund der Kurzbeschreibung hatte ich schon ein paar Vorstellungen, war dann aber über die wirkliche Geschichte der Insel mehr als überrascht. Hier zeigte sich wieder das Cornelia Funke einfach für das Schreiben von fantastischen Büchern geboren wurde. Schon ohne den magischen Aspekt hatte mich das Buch gepackt, aber mit, war es einfach nur noch WOW. 

 

Mein einziges Problem lag darin den Weg der Bande zu folgen. Da die Geschichte in Venedig spielte, wurden natürlich auch die Originalnamen von Straßen oder Orten benutzt. Hier gab es zum Glück am Ende eine Karte von Venedig, welche ich beim Lesen gerne zurate zog. Dazu gab es wundervolle Illustrationen, welche allesamt von Cornelia Funke selbst stammten. 


 

 

Egal ob Kind oder Erwachsener, dieses Buch dürfte alle Altersklassen begeistern. Egal ob Schreibstil, die Charaktere oder die Vielfalt an interessanten Themen, immer wieder gab es etwas zu entdecken. Dabei gelang der Autorin ein herrlicher Mix aus emotionalen Momenten, Spannung und Humor. 


Dressler Verlag – 400 Seiten – Hardcover: 17,90 € –
Jugendroman/Fantasy – 01.02.2000

 

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