»Klar habe ich damit gerechnet, dass mich eines Tages wieder irgendein Schwachkopf mit spitzem Hut beschwört, aber doch nicht derselbe wie beim letzten Mal!«

Der junge, ehrgeizige Nathanael strebt eine Karriere im Zaubereiministerium des britischen Imperiums an. Sein erster Auftrag: Er soll eine Gruppe von nichtmagischen Widerständlern dingfest machen, die mit Anschlägen die Zaubererwelt in Atem hält. Zur Widerstandsbewegung gehört auch die 15-jährige Kitty, die über außergewöhnliche Abwehrkräfte gegen Magie verfügt. Nathanael setzt alles daran, Kitty und ihre Verbündeten aufzuspüren. Doch als diese entkommen, hilft nur eines: Bartimäus muss wieder her!


 

 

Nachdem der erste Band gelesen war, war schnell klar, dass der Nachfolger auch bald gelesen werden musste. Immerhin wollte ich ja wissen, wie Bartimäus diesmal seinen Weg in unsere Welt fand und was es mit dem geheimnisvollen Auge des Golem auf sich hatte.

 

Die ersten Seiten waren schnell gelesen und zogen mich sofort wieder in das magische London. Da das Ende des Vorgängers nichts darüber aussagte, ob es vielleicht einen Wechsel in Bezug auf Bartimäus´ Beschwörer gab, freute ich mich sehr Nathaniel bzw. John Mandrake wieder an meiner Seite zu wissen. Auch wenn er ab und an ein richtiges Ekel sein konnte, empfand ich ihn als deutlich sympathischer als so manchen anderen Zauberer im Buch. Er hinterfragte noch Dinge und war erst dann mit etwas zufrieden, wenn es auch wirklich der Wahrheit entsprach. Ein sehr seltenes Gut im Buch.

 

Somit erlebte ich also wieder ein Abenteuer mit Bartimäus und Nathaniel. Doch nicht nur das, denn auch diesmal gab es wieder die Möglichkeit mehr über die Herrschaft der Zauberer und natürlich auch ihre Feinde aus dem Widerstand zu erfahren. Dabei verband der Autor Teile des Vorgängers mit dieser Geschichte und löste somit so einige Ungereimtheiten aus. Ich kann Versprechen das es diesbezüglich Ahh´s und Ohh´s regnen wird, da man vieles einfach nicht erwartet hätte.

 

Demnach war es auch in diesem Band so, das man die Kapitel aus der Sicht verschiedener Charaktere erleben durfte. Dabei lernte ich sie natürlich auch besser kennen und manchmal lernte ich sie zu hassen. Ich denke viele werden mit mir einer Meinung sein, wenn ich sage, das die Zauberer in diesem Buch ein großer Haufen egoistischer Trottel waren. Ihre stets überhebliche Art machte sie einfach unsympathisch, wenn auch auf verschiedene  Art und Weise. Natürlich wäre es jetzt leicht, den Widerstand als die Guten darzustellen. Zu leicht für Jonathan Stroud, welcher den Kämpfern dafür Eigenschaften verpasste, welche mich auch ihnen zweifeln ließ. Ganz ehrlich? Ich habe es geliebt.

 

Zur Handlung selbst möchte ich trotzdem nicht all zu viel erzählen, da es zum einen zu viel wäre und zum anderen, da ich niemanden der Freude berauben möchte, wenn er dieses Buch das erste Mal liest. Allerdings möchte ich sagen, dass dieser Band um einiges intensiver war. Gerade in Sachen Tiefe legte dieser Teil noch eine ganze Schippe obendrauf und erlaubte es mir noch weiter in diese Welt einzutauchen. Dabei spielten Spannung und Humor wieder eine große Rolle, wobei der Humor fast gänzlich durch Bartimäus zustande kam. Der Dschinn schoss sehr gerne mit lustigen Sprüchen oder begeisterte mich mit seinen unterhaltsamen Bemerkungen. Ein toller Gegensatz zum fast schon ernsten Nathaniel. 


Bevor ich überhaupt mit dem Lesen beginnen konnte, hatte ich schon ein paar Leserstimmen gelesen, die nicht begeistert von den Fortsetzungen waren. Daher hatte ich eher geringe Erwartungen an „Das Auge des Golem“.

Ich stellte allerdings schnell fest, dass mich das Buch genauso gut, wenn nicht sogar besser unterhalten konnte wie der Vorgänger.

Bartimäus ist so zauberhaft wie eh und je ich liebe seine chaotische und dennoch liebenswerte Art.

 

Er genießt es, wenn alles aus dem Ruder läuft aber wenn es darauf ankommt entscheidet er sich immer für das gute. Was nach seinen Maßstäben gut ist natürlich.

Sein Meister, der Zauberer John Mandrake, kommt im zweiten Band nicht so gut weg. Wie schon im ersten Teil langsam zu erkennen war, entwickelt sich John zu einem typischen Zauberer: ehrgeizig, rücksichtslos, machtbesessen. Wie gut, dass sein treuer Dämon ihm gelegentlich den Kopf zurechtrückt.

 

Die Handlung finde ich sehr spannend denn es gibt gleich mehrere Probleme um die John und notgedrungen auch Bartimäus sich kümmern müssen. Der zweite Band entführt die Leserin unter anderem nach Prag. Hier finde ich es etwas schade, dass man kein so deutliches Bild von der Stadt erhält, genau wie es bislang auch bei London der Fall war. Man erfährt zwar, dass einige Szenen dort spielen, aber so richtig vorstellen kann ich mir die Gegebenheiten kaum.

Aber macht nichts! Das Augenmerk von Bartimäus 2 liegt wieder einmal auf den Interaktionen zwischen Zauberer und Dämon und die sind interessant und humorvoll wie gewohnt.

 

In diesem Band lernt man auch eine weitere faszinierende Figur kennen, die tiefere Einblicke in die nichtmagische Welt bietet. Die Grenzen zwischen gut und böse verwischen hier noch mehr als im ersten Teil und in manchen Szenen weiß man gar nicht so recht, auf wessen Seite man eigentlich sehen soll.

Das Ende des Buches gefällt mir sehr, alles wird aufgeklärt was in „Das Auge des Golem“ wichtig ist, aber auch hier blieben wieder offenen Fragen, die einen nahtlos in Band 3 geleiten. Ich freue mich schon aufs Weiterlesen!


 

 

Was für ein grandioser Nachfolger. Nicht nur dass er das Rätsel um einen geheimnisvollen Golem auflöste, er schaffte es auch viele ungelöste Fragen aus dem Vorgänger aufzulösen. Dabei zeigte der Autor das er nicht nur grandiose Geschichten erzählen, sondern auch Charaktere mit viel Tiefgang erschaffen kann. Egal ob an der Seite von Bartimäus, Nathaniel oder Kitty, ich verlor mich in ihren Erlebnissen und war gebannt von dem, was ich erlesen durfte. Band 3, ich freue mich schon wahnsinnig auf dich. 


cbj Verlag – 672 Seiten – Taschenbuch: 9,99 € –
Jugendbuch/Fantasy – 27.02.2008

 


Bereits rezensierte Bücher des Autors

Bartimäus – Das Amulett von SamarkandLockwood & Co. – Die seufzende Wendeltreppe


2 thoughts on “[Rezension] „Bartimäus – Das Auge des Golem“ von Jonathan Stroud (Bartimäus #2)”

  1. Die Bartimäus-Reihe ist sooo großartig und ich finde es super, dass ihr diese Backlist-Titel jetzt lest. Den vierten Band habe ich immer noch ungelesen hier bei mir stehen, aber auch das hole ich irgendwann nach.

    LG
    Sandra

    1. Huhu,

      ich hatte die Reihe von einer anderen Bloggerin erhalten und als wir nach einer Reihe für das Zusammenlesen suchten, war diese sehr schnell gewählt. 🙂 Mittlerweile habe ich auch die Graphic Novel zum ersten Band. ^^
      Für mich müssen es nicht immer neue Bücher sein, besonders da es noch so viele alte Reihen zu entdecken gibt.

      Viele liebe Grüße, Anja

Ich freue mich stets über Kommentare.