[Rezension] Andreas Hüging – Let´s Disco: Die schwer verrückte Geschichte von Valentin Plau

2. Oktober 2017 0 Von Anja liest


Autor: Andreas Hüging

Preis: 12,95 €
Einband: Softcover
Genre: Jugendbuch, Humor
Seitenanzahl: 224 Seiten
ISBN: 978-3-7641-7075-2
Veröffentlichung: 18.08.2017
Verlag: Ueberreuter Verlag

Valentin Plau hat ein buchstäblich schwerwiegendes Problem: Wenn es ihm nicht bald gelingt, wenigstens ein paar Kilo abzunehmen, wird er seine Wochenenden auf ewig vor dem Computer verbringen, während alle anderen die hübschesten Mädels abschleppen! Da entdeckt er eines Nachmittags eine alte Videokassette seines Vaters aus den 70ern, auf der sein Vater als umjubelter Tänzer zu sehen ist. Valentin fasst einen irrwitzigen Entschluss: Praktisch über Nacht verwandelt er sich in den Discostar Val P. mit ausgefallenen Schlaghosen, schrillen Hemden, polierten Tanzstiefeln und ganz viel Strass und Glitzer. Nach dem ersten Spott sorgt schließlich ein überdrehtes Tanzvideo auf Youtube dafür, dass Valentin zum Star wird, und selbst die Klassenschönheit Linda-Ev interessiert sich für ihn. Doch Valentins Herz schlägt heimlich für die schlagfertige LUNA, die er bisher nur aus dem Sternschnuppen-Chat kennt. Wird sie ihn auch mögen, wenn sein Bauch ihr eines Tages live gegenübersteht?

Quelle: Ueberreuter
Ich hatte dieses Buch durch eine Leserunde bei Lovelybooks bekommen und mich riesig gefreut. Das Cover war der Hammer, die Kurzbeschreibung machte Lust auf das Buch und als ich es dann in den Händen hielt, sorgte es für ordentliche Portion Glücksgefühle. Dann kam aber leider das große „Aber“.

Kurz gesagt ich konnte mich einfach nicht mit dem Buch, seiner Geschichte und den Protagonisten identifizieren. 

Gerade da ich merkte wie viel Mühe man sich mit dem Buch gegeben hatte, war es für mich um so schlimmer eine weniger gute Bewertung abzugeben. Aber lest selbst.


Valentin ist 13, etwas pummelig und sieht sich selbst als Verlierer und Versager. Er schämt sich für seine Extrakilos und würde sich freuen, dann ein oder andere zu verlieren. Doch das ist leichter gesagt als getan, wenn man gerne Cola und Chips in sich hineinschiebt. Sein bester Pavlos ist Grieche und ebenfalls ein sehr bepackter Teenager, der aber deutlich weniger Probleme damit hat als Valentin.

Die zweite wichtige Figur im Buch ist Louise, welche ebenfalls ein paar Pölsterchen hat, die sie aber wie Pavlos recht gut akzeptieren kann. Sie scheint auch beliebter bei den Klassenkameraden zu sein, was ich jedoch nicht nachvollziehen konnte, da sie für mich eingebildet, trotzig und komplett unfreundlich wirkte.

Man merkt bereits, das es sich hauptsächlich um fülligere Jugendliche dreht, welche es zum Teil leid sind, mit ihrem Problem gehänselt zu werden. 

Was mich leider sehr störte, waren die Verkörperungen der Eltern. Gerade Valentins Eltern überdehnten den Faden zwischen Humor und peinlichen Gerede meist bis auf das Maximale, da sie stets versuchten cool und lässig zu wirken. 

Auch war es sehr schade, das sie Valentins Gewichtsproblem strikt verharmlosten indem sie meinten, das es doch nicht so schlimm sei. Gerade da die Thematik sehr aktuell ist, fand ich es sehr schade, das man hier ein völlig falsches Bild für Kinder und Jugendliche darstellte. Dies dann mit Humor zu sehen, war für mich leider nicht möglich.


Auch Teenager haben mittlerweile einen sehr hohen Geschmack und lesen auch gerne einmal anspruchsvollere Bücher. Von anspruchsvoll kann hier jedoch keine Rede sein, denn ich fühlte mich meist einfach nur veräppelt.

Welcher 13-jährige spricht bitte seine Eltern mit Vornamen an? Bis zum Ende verstand ich nicht warum man dies so mit ins Buch integrierte. Ich hätte es ja noch verstanden, wenn man den Eltern Spitznamen gegeben hätte, aber die Vornamen? Nein, das passt nicht.

Die Geschichte fing so gut an. Der Schnuppen-Chat war eine tolle Idee, mit der man viel mehr hätte machen können. Auch wenn die Geschichte einen mystischen Touch bekommen hätte, wäre ich bei der Sache mit den Sternschnuppen und den Wünschen geblieben. 

Die Einbindung von modernen Kommunikationsmitteln oder Medienplattformen ließ das Buch realistischer wirken. Aber gerade das sagenumwobene Youtube-Video von Valentins Tanzeinlage, wurde viel zu übertrieben dargestellt. Denn auch wenn es im Buch sehr einfach klang, so ist das Erreichen von größeren Videoaufrufen keinesfalls so leicht. 

Wie man bereits merkt, schafften es gerade die Elemente die wohl witzig sein sollten, nicht mich zu überzeugen. Meist schüttelte ich nur den Kopf, aber an der ein oder anderen Stelle ärgerte ich mich jedoch richtig, da entweder der Umgang mit übergewichtigen Teenagern verlustigt wurde oder man Dinge aufs Extreme hochpushte, die dann jeglichen Sinn für Realismus verloren. 

Ich hätte mir gewünscht das man neben den ganzen Dingen wie WhatsApp, YouTube oder SnapChat, es auch geschafft hätte den Charakteren eine ebenso moderne Sprechweise zu geben. Tatsächlich brabbelten sie meist Sätze, die ein Jugendlicher heute niemals in den Mund nehme würde.


Außen „Hola die Waldfee“ und innen „naja“. Tatsächlich konnte mich das Cover voll und ganz überzeugen. Die Farben waren toll gewählt, die geschwungene Schrift passte hervorragend und dann die glänzende „DISCO“-Schrift, einfach umwerfend.

Besonders schön fand ich, das man das Coverkonzept auch auf dem Buchrücken angewendet hatte. Denn auch da glänzt der „DISCO“-Schriftzug.

Das Softcover ist sehr stabil und sehr gut verarbeitet.


Selten waren mir die Geschichte und die Charaktere so unsympathisch. Den hochgelobten Humor suchte ich bis zum Ende vergebens. Es gab gute Ansätze, die aber irgendwie nie weiter geführt wurden. Sehr schade, besonders bei so einem tollen Cover.