[Mein Leben mit…] Wenn Social Media hilft

[Mein Leben mit…] Wenn Social Media hilft

13. August 2018 4 Von Anja liest

 

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wie einige bereits wissen, habe ich große Probleme damit mich in Menschenmassen zurechtzufinden. Dies allein ist zwar schon ein großes Problem für mich, aber ein noch viel Schlimmeres ist meine Sozialphobie, welche dafür sorgt, das ich tatsächlich Angst habe von anderen Personen angesehen, angesprochen oder gar berührt zu werden. Auch finde ich meist nicht die richtigen Worte, um ein Gespräch zu beginnen, was schon öfters zu peinlichen Momenten führte. Denn anstatt ein einfaches „Hallo“ zu sagen, überschlage ich mich meist und dann kommen Anfänge wie“Ich kenne deinen Blog“ oder „Ich kenne dich“ heraus, was meist für ordentlich Verwirrung sorgte, da mein Gegenüber meist nicht weiß, wer ich eigentlich bin. Ich sags ja, peinlich. 

 

Mein Problem mit persönlichen Kontakten bestand eigentlich schon immer, da mir stets die wirklichen Kontakte fehlten. Ich war schon immer eine Einzelgängerin, da ich mich zum einen für die „uncoolen“ Dinge wie basteln und lesen interessierte und diese auch noch in einer Nachbarschaft auslebte, wo dies nicht gerade hoch angesehen war und man dafür gemobbt wurde.  Ich denke, hier begann ich dann mein wahres Ich zu verlieren, da ich mich, um überhaupt Kontakte zu finden, verstellen musste. Da dies jedes Mal scheiterte, war natürlich klar und auch wenn ich mich nicht mehr verstellen wollte, so konnte ich überhaupt nicht mehr anders, als meine Meinung zu verbergen und mich dem anzuschließen, was ich überhaupt nicht mochte. 

 

Nach meinem Zusammenbruch und der Einsicht, das ich auch hier die falschen Personen an meiner Seite hatte, entschied ich mich dazu, ich selbst zu sein und das bedeutete für mich zu lesen, zu basteln und all die Kreativität frei zu lassen, die ich bis dahin verborgen hatte. Ich tat dies für mich, zuhause, in aller Ruhe. Bis mich jemand auf das Buch bloggen aufmerksam machte, welches schließlich dazu führte, das ich mich mit einem neuen Profil bei Facebook anmeldete und einen Account bei Twitter eröffnete. 

 

Mittlerweile bin ich seit 2 Jahren auf beiden Profilen unterwegs und kann nur sagen, das dies mein Leben komplett verändert hat.

Warum?

Ich kann endlich über Bücher reden, schreiben, welches ich gerade lese und das Beste ist, hin und wieder interessiert es sogar jemanden. Ich tausche mich mit Personen aus, die dasselbe Buch wie ich gelesen haben und gerate dadurch in Diskussionen die einfach mal Spaß machen, weil ich meine Meinung frei äußern darf. Wobei ich sagen muss, dass ich stets höflich bleibe und vor „Bitte“ und „Danke“ nicht zurückschrecke. Egal wer dies gerade liest, soll wissen das es mir wahnsinnig viel bedeutet, das es gerade gelesen wird, denn ich fühlte mich stets fehl am Platz, gehörte nicht in diese Welt und war schon mehr als einmal davor dies alles zu beenden und kann nun behaupten nicht mehr unsichtbar zu sein. 

 

Natürlich habe ich noch Tage wo Social Media zu viel für mich ist, da ich sehr schnell, auf kleine Dinge, neidisch werden kann und dann sofort in mein persönliches schwarzes Loch falle. Und ja, ich werde schnell neidisch, werde dabei aber nicht ausfallend oder beleidigend oder werfe demjenigen etwas vor. Ich behalte es für mich und warte, bis ich an den Punkt komme, wo ich mich für die Person freuen kann. Erst dann schreibe ich meist einen Kommentar. Auch ein Grund warum meine Kommentare auf Blogs meist so spät kommen. 🙂 

 

Mein besonderes Geschenk von Social Media Plattformen habe ich bereits erhalten, denn aktuell versuche ich eine Freundschaft mit einer Bloggerin aufzubauen. Allerdings merkte sie schon oft, das ich sehr hibbelig in ihrer Nähe war, da ich einfach nicht wusste, wohin mit mir, da ich so vor Freude war, überhaupt Besuch zu bekommen. Besonders schön ist aber das wir beide eine psychologische Vergangenheit haben, welche uns noch immer stark belastet. Es ist unglaublich schön jemanden zu haben der versteht, was in einem vorgeht und der aus eigener Erfahrung weiß, wie sich etwas anfühlt. Dieser Bloggerin bin ich schon jetzt sehr dankbar, zumal sie eine enorme Geduld mit mir hat. 

Über Twitter habe ich noch weitere tolle Personen kennengelernt, die mir halfen diese Website zu erstellen, die Nachfühlen können, wie es ist etwas gewichtiger zu sein und die Probleme mit Menschen haben. Leider konnte ich noch nicht alle persönlich kennenlernen, aber bei einigen besteht der dringende Wunsch und das ist toll, denn lange hegte ich den Wunsch mich komplett von allen abzunabeln und ein Leben ohne soziale Kontakte zu pflegen. 

 

Aktuell ist es sogar so, da sich bald um einen Menschen trauern werde. Dies habe ich noch nie und es macht mir Angst, aber ich kann nicht anders, denn diese Person hat mir geholfen, obwohl ihr eigenes Leben gerade dabei war kaputtzugehen. Ich verliere Sie an Leukämie und möchte es noch nicht so recht wahrhaben. Auch wenn ich weiß, das es keine Heilung mehr für Sie gibt, so wünsche ich es ihr jeden Tag. Besonders traurig macht mich der Umstand das ich nicht einmal ihren wahren Namen kennen, ihr Alter und nicht einmal weiß wie Sie wirklich aussieht.  Ich trauere um eine Unbekannte und das tut weh. Jeden Tag an dem Sie etwas bei Twitter schreibt, weiß ich das sie noch da ist und die Angst, das dies bald endet, treibt mir auch gerade die Tränen in die Augen. 

*kurze Pause*

 

Auch wenn ich Social Media Plattformen nicht als das Allheilmittel gegen soziale Phobien sehe, so kann es mit den richtigen Hintergedanken dazu führen, das man sich wieder wie ein richtiger Mensch fühlt. Traut euch, schreibt über euch oder lasst euch  über eine Serie, ein Buch, einen Film oder über etwas Alltägliches aus. Es kann guttun und kann zu Kontakten führen, die euer Leben verändern und vielleicht sogar bereichern. Hier möchte ich allerdings auch noch einmal erwähnen, das dies auch negative und beleidigende Kommentare bedeuten kann, welche ich noch immer lernen muss nicht all zu ernst zu nehmen. Seit bitte trotzdem respektvoll gegenüber anderen, denn dann sind sie es meist auch zu euch und können, wie es bei mir zeigt, vielleicht sogar zu einer Freundschaft führen. 

 

Mein Fazit

 

Ja, ich bin noch weit davon entfernt, dass mich fremde Personen berühren können. Mir fällt es auch immer noch schwer, den richtigen Umgang mit meinem Gegenüber zu finden, aber ich habe es geschafft wieder in die Welt der sozialen Kontakte zu kommen. Ich äußere „meine“ Meinung, mache die Dinge die mir gefallen und fühle mich dabei gut. Natürlich ist dadurch die Nutzung meines Handys enorm nach oben gegangen, weshalb ich mich schon vor langen dazu entschied, es ruhiger angehen zu lassen und den Gebrauch herunter zu schrauben. Und was soll ich sagen? Viel hat sich nicht verändert, außer das ich mehr Zeit für mich habe und Beiträge, Tweets und Posts dann ansehe, wenn ich es für richtig halte. Ich bin dadurch nicht immer auf dem Aktuellen, aber das bin ich gewohnt und komme daher gut damit klar. 

 

 

Wie erging es euch? Habt ihr durch Social Media Plattformen Freunde gefunden oder euch getraut endlich eure Meinung zu veröffentlichen? Durftet ihr erfahren, das es doch noch tolle Menschen da draußen gibt? Ich würde mich freuen von euch zu hören.