[Mein Leben mit…] Ich, die Depression und die Entscheidung über Nachwuchs

[Mein Leben mit…] Ich, die Depression und die Entscheidung über Nachwuchs

20. Mai 2019 11 Von Anja liest

dieses Jahr war es bei mir nun soweit und ich wurde 30. Zum Glück ist dies für mich nur eine Zahl, denn ich fühle mich nicht wie 30 und aussehen tue ich erst recht nicht so. Doch trotzdem kommen langsam immer mehr Fragen von der Familie oder aus den entfernten Bekanntenkreise, ob man denn die eigene Mutter nicht mal zur Oma machen wolle. Hier kann ich nun eine ehrliche Antwort geben. 

Als ich ins Berufsleben einstieg, hatte ich natürlich den Traum, mal eine eigene Familie zu gründen, ein Haus zu haben und ein schickes Auto zufahren. Das Auto ist da, wird aber bald verkauft, das Haus ist nicht bezahlbar und Kinder? Ich habe mich gegen Nachwuchs entschlossen. Dies hat für mich ganz klare Gründe, wovon ich euch heute 3 einmal aufzeigen möchte. 

 

Das Geld

 

Aktuell gelte ich als nicht arbeitsfähig, verdiene somit nichts und komme nur knapp über die Runden. Klar Kindergeld & Co. könnte man beantragen, aber was ist später einmal mit Ausflügen, Klassenfahrten oder Ferienreisen? Dann möchte ich mein Kind ordentlich einkleiden können und es sollte natürlich seine Hobbys ausleben dürfen. Klar von verwöhnen wäre mein Kind weit davon entfernt, schon allein, da ich mit Bescheidenheit aufgezogen wurde und das auch so handhaben würde. Doch trotzdem ist mir die aktuelle Lage, die sich so schnell nicht ändern wird, zu schwierig.

 

Meine geistige Gesundheit

 

Wenn ich etwas dem Kind nicht antun wolle, dann meine geistigen Zustand. Ich habe immer noch mit depressiven Phasen zukämpfen, verletze mich selbst und habe Angst vor sozialen Kontakt und dem Verlassen der Wohnung, wie sollte ich da ein Kind großziehen, ohne das es vielleicht selbst einmal diese Probleme hat? Ich habe aus meiner Ansicht eine Verantwortung und diese verbietet es mir regelrecht ein Kind so einem Umfeld auszusetzen. Dazu kommt, das ich in stressigen Situationen  gerne die Nerven verliere, panisch werde und dann mehr Fehler mache, als etwas richtig. Was wäre, wenn mein Kind etwas will und ich aus Panik Fehler mache, die sich nicht wieder gut machen lassen? Tut mir leid, aber das würde ich einem so kleinen Geschöpf nicht antun. 

 

Angst vor der Entwicklung des Kindes

 

Diese Angst wird wahrscheinlich jeder Elternteil haben, zumal sich die Welt ja auch immer weiter dreht. Doch wie viele, hätte ich mir gewünscht, das ich mit dem Kind auch im Teenager-Alter eher eine freundschaftliche Beziehung habe. Doch was, wenn nicht? Hier schaltet mein Kopf übrigens sofort in den Katastrophen-Modus, zeigt mir, was passieren könnte und lässt dabei kein Schreckensszenario aus. Was, wenn mein Kind mich hasst? Mich beklaut? Drogen nimmt? Weniger gute Charaktereigenschaften annimmt? Die Liste könnte ich noch ewig weiterführen, doch das Endprodukt bleibt dasselbe. Ich habe einfach Angst, das sich das Kind in dieser verkorksten Welt in die falsche Richtung entwickelt. Hier muss ich dazu auch gestehen, dass es mich wahrscheinlich emotional sehr treffen würde.

Ich muss dazu sagen, dass ich natürlich Kinder mag und gerade bei Babys, gerne einmal in die süßen Gesichter gucke. Sry, aber da kann man einfach nicht wegsehen, wenn da so kleine Menschen schlafen oder sich gerade freuen und dabei süß brabbeln. Trotzdem bereue ich es nicht, „Nein!“, zu einem Kind zu sagen, da ich nur, weil etwas niedlich ist, es sofort haben muss. Wäre ja noch schlimmer. Falls übrigens Personen fragen, ob ich meine Mum zur Oma mache, sage ich mittlerweile, dass sie das längst ist. Sie ist halt Katzen-Oma. Unsere beiden Kater Apollo und Fynn sind und bleiben Familienmitglieder, die auch ganz gerne von meiner Mum verwöhnt werden. 

 

Wie seht ihr das? Habt ihr vielleicht trotz depressiver Phasen und Phobien Kinder bekommen? Wie waren eure Erfahrungen? Oder habt ihr euch vielleicht wie ich gegen Kinder entschieden? Ich würde mich sehr über Erfahrungsberichte freuen.