[Mein Leben mit …]5 Dinge, die ich mir in meiner Krankheitsgeschichte schon anhören und erleben musste

[Mein Leben mit …]5 Dinge, die ich mir in meiner Krankheitsgeschichte schon anhören und erleben musste

28. Juni 2019 3 Von Anja liest

mittlerweile ist es bei mir fast 5 Jahre her, das ich einen kompletten Nervenzusammenbruch hatte. Seit da, habe ich keine Kraft mehr meine Ängste und Gedanken zu unterdrücken und bin ihnen nun hilflos ausgeliefert. Ich muss auch gestehen, in letzter Zeit, auch die Suche nach passenden Therapien aufgegeben zu haben, da ich mich nicht für sie bereit fühle. 

 

Hier kommen wir dann auch zum Punkt dieses Beitrags, denn auch wenn mein Bekanntenkreis an einer Hand abzählbar ist, schlichen sich doch gerade Außenstehende in mein Leben, um mir zu sagen, was ich zu tun und was ich zu lassen habe. Darum wollte ich einmal zusammen fassen, was man mich schon alles fragte, welche Tipps man mir gab und was man trotz meines Widerstandes machte. 


 

„Reiß dich doch einfach zusammen!“

 

Man stelle es sich einmal vor: Man hatte gerade einen Zusammenbruch, da man die Lasten der Zeit nicht mehr tragen konnte und befindet sich seit nun knapp einen Monat stationär. Man ist noch nicht wirklich wieder da und verkraftet gerade, dass das Leben die Kontrolle über einen übernommen hat. Da hilft es doch eine Patientin zu besuchen und ihr bei einem Spaziergang zu sagen, das man sich doch gefälligst einfach zusammen reißen soll. Ich nehme jetzt einfach mal an, dass dies wenig Begeisterung hervorrufen wird. 

Doch so erging es mir. Das diese Person, sie ist eine Freundin meiner Mutter, die Frechheit besaß mich zu einer Zeit, in der mich jede Veränderung emotional aus der Bahn warf, darauf hinzuweisen, dass ich mich zusammenreißen soll, den stationären Aufenthalt abbreche und gefälligst wieder ins Berufsleben einsteige, da ich es meiner Mutter ja eh schon schwer genug mache. Mut machen, kann sie.

 

„Das sind nur die Medikamente!“

 

Darauf kann ich nur sagen: „Ja nee, ist klar!“. Die Medikamente sorgten dafür (Triggerwarnung) das ich mich verletzte, eine Sozialphobie entwickelte, Angst bekam die Wohnung zu verlassen oder emotional immer mehr entgleiste. Dass ich aber seit meiner Zeit als Teenager Probleme hatte, wurde da einfach mal unter dem Teppich gekehrt. Was will man machen, wenn man nicht einsieht, das da jemand ist, dessen Probleme man einfach immer ausgeblendet hat. Ich muss dazu gestehen, dass ich mich mittlerweile von selbst dazu entschlossen habe, meine Medikamente auszuschleichen, da ich sehen möchte, wie ich ohne Chemie zurechtkomme. Ein Grund für meine Probleme waren sie trotzdem nicht. 

 

*tipp tipp tipp* Anfassen trotz Bitte es zu unterlassen

 

Wenn euch jemand sagt, er habe Probleme damit jemand zu berühren bzw. berührt zu werden, was würdet ihr tun? Ich würdet es wahrscheinlich hinterfragen, aber auch sagen „Ist kein Problem!“.(Hoff ich doch) Dass es auch anders geht, zeigte wieder einmal der Bekanntenkreis meiner Mutter. Genau genommen ist es die Dame aus Punkt Nr. 1, welche um ehrlich zu sein, schon gerne auf mich und meine Mum herab sah, da wir weniger gut betucht waren. Aber das soll jetzt nicht das Thema sein. Um so erschreckender war es für mich, das diese Person meine Berührungsphobie zu ihrer eigenen Unterhaltung nutzte. Ich erklärte ihr gerade, dass ich große Probleme mit Berührungen hatte, da fing sie auf einmal an, mir in den Oberarm zu piksen, mit der Aussage das bilde ich mir nur ein. Ist klar, mir macht es Spaß Leuten keine Hand geben zu können, sie zu umarmen oder nur sie selbst einmal anzutipppen. Das ist Fun pur. Der Abend endete für mich mit Tränen und einer Panikattacke, welche nur noch bestärkt wurde, das ich gerade nicht zuhause war. Danke schön. 

 

„Du hast doch immer soviel gelacht“

 

Wenn etwas bei mir nicht stimmt, dann der Satz „Früher war alles besser“, denn auch wenn meine Kindheit stets ein lächelndes Kind zeigte, war ich nicht ansatzweise so glücklich, wie ich gerne gewesen wäre. Fehlender Kontakt zu gleichaltrigen und ein Umfeld, in welchem die eigenen Interessen keinen interessieren, waren nur einer der Gründe, warum ich schon früh damit begann mit mir selber zu reden. Mit irgendwem will man ja schließlich über ein Spiel oder eine Idee sprechen. Meine Mum war da für mich leider die falsche Ansprechperson, da mir diese zwar zuhörte, aber aufgrund der Unterschiede, ein Austausch nicht möglich war. Kein Wunder, das mein Lachen immer mehr verschwand. Natürlich hatte ich auch schöne Momente. Gerade Feiern mit meiner Familie waren immer ein freudiges Ereignis, aber diese gehörten eben nicht zum Alltag. Heute trage ich leider meist ein gefälschtes Lächeln im Gesicht, welches außenstehenden das Gefühl gibt, das bei mir doch alles ok sei. Doch wenn ich alleine bin, kommt das wahre Ich heraus und das ist eine ernste Person, die zu gerne ernsthaft Lachen würde. Einige haben es vielleicht auch schon mitbekommen, das ich in Gesprächen oftmals probiere lustig zu sein. Ich reiße Witze und haue Sprüche raus, doch nur mit dem verzweifelten Versuch das ich meinem Gegenüber imponiere. Leider. 

 

 

„Wollen sie nicht mal abnehmen?“

 

Wenn es um mein Gewicht geht, hat sich in den letzten Jahren leider einiges bei mir getan. Wirklich schlank war ich nur mal als Teenager, wo ich (Triggerwarnung) eine leichte Essstörung entwickelte, aber sonst war ich schon immer sehr stämmig. Seit ich nun Medikamente nehmen musste, wurde aus stämmig FETT, ich betone es extra, denn von dick bin ich wirklich weit entfernt. Ich selbst finde diesen Umstand nicht schön, weswegen ich sehr auf meine Ernährung achte und meinen Körper wieder an Sport heranführe. Zwischendurch hatte ich leider Phasen, in denen ich zu nichts in der Lage war und Sport mir nicht einmal im Traum eingefallen wäre. Aktuell ist das anders, denn durch die Medikation habe ich ca 40 kg an Gewicht zugenommen und die zeigen sich auch. Brust, Bauch und Arme sind gerissen und wabbeln vor sich hin. Da ist es doch um so schöner, wenn man auch noch ständig darauf hingewiesen wird. Sprüche wie „Willst du nichts dagegen tun?“ oder „Du warst mal so schön schlank!“ kotzen mich in diesen Momenten an, da sie mein schon arg angekratztes Ego nur noch mehr drücken. Wieso gibt man mir keine Tipps, fragt mal, ob ich bereits etwas an Gewicht verloren habe? Nein, da wird auf meinen Bauch geguckt und bei Anfrage wieso, kommen Antworten wie „Schön ises ja nicht!“. Ja, danke auch. 

 


 

Mein Fazit

 

Ja, dieser Beitrag, sollte vor allem eines, bei mir mal kräftig Luft ablassen, denn all diese Dinge beschäftigen mich täglich und sorgen dafür, das ich bei jedem Fortschritt das Gefühl habe, wieder 2 Schritte nach hinten zu treten. Doch es soll auch zeigen, das die Thematik „Psyche, Depression und Phobien“ noch nicht so ganz angekommen sind. Gerade bei älteren Personen zeigte sich mir, das diese kaum Verständnis haben und dies als Weh-Wehchen abtun. Mit jüngeren Personen habe ich hier meist bessere Erfahrungen gemacht, obwohl diese anfangs immer etwas überfordert mit der Situation sind, fassen sie sich sehr schnell und behandeln mich nicht wie eine Aussätzige. Danke dafür, denn genau diese Personen machen mir Mut und lassen den Wunsch aufpoppen sie eines Tages umarmen zu können.