Mein Leben als Bücherwurm ….

Mein Leben als Bücherwurm ….

16. Oktober 2018 2 Von Anja liest

manchmal hat man es als Bücherwurm nicht gerade leicht, so auch ich. Ich bin mit Büchern aufgewachsen, war schon als Kind eine leidenschaftliche Leseratte, die in der Bibliothek sogar mit Namen begrüßt wurde, da man mich einfach kannte. Das war schön und trotzdem fühlte ich mich nicht wohl. Der Grund war, dass ich mit niemandem über meine Bücher reden konnte. 

 

Ich wuchs in einem Stadtteil auf, den man fast als sozialen Brennpunkt bezeichnen könnte. Hohe Arbeitslosigkeit, viele Rentner und günstige Mieten, sorgten dafür, das viele das Viertel mieden, wenn sie nicht unbedingt dorthin mussten. Zudem war es etwas abseits und wenn man nicht gerade ein Auto hatte, konnte die Fahrt in die Stadt schon mal 30-40 Minuten dauern. Ich war dort nicht gerade glücklich, genau genommen, ist es eine Zeit, die ich gerne aus meinem Leben streichen würde, aber das geht ja leider nicht. 

 

In dieser Welt wurde ich trotzdem ein Bücherwurm. Meine Mum las mir gerne vor und sobald ich in der Schule war und das Lesen lernte, begann ich meine eigenen Bücher zu lesen. Ab und an las ich meiner Mum vor, da sie wollte, das ich dies auch übe und so kam es dazu, das ich recht passabel vorlesen konnte und sogar zu einem Wettbewerb antrat, der sich darauf spezialisierte. 

 

Trotz der Umgebung, in der ich aufwuchs, entwickelte ich mich anders als die Personen um mich herum. Ich erfreute mich an meinem Gameboy und spielte leidenschaftlich gerne Pokemon und griff abends ganz gerne mal zu einem Buch aus der Bibliothek. Klar versuchte ich mich am Rauchen, aber bäh, das war für mich nix, genau wie die das langweilige herumsitzen auf einer Bank und Leute anzupöbeln. Genauso bastelte ich gerne. Doch auch hier das Problem. Außer meiner Mum, konnte ich es niemanden zeigen, da es keinen interessierte. 

 

Doch ganz ehrlich? Das war mir persönlich nicht genug. Ich wollte mit jemanden über meine Bücher reden oder überhaupt jemanden haben, mit dem ich in die Bibliothek gehen könnte, mit dem ich mich austauschen könnte. Aber diese Person gab es nicht in meinem Umfeld und so wurde ich eine Außenseiterin, die statt über die neusten Dinge up to date zu sein, einfach nur ihr neues Pokemon-Spiel spielte wollte und sich ein Hörbuch von TKKG oder Die Drei Fragezeichen anhörte. 

 

Wie es sich entwickelt hat? Ich hörte auf zu lesen, versuchte „cool“ zu sein und das über eine sehr lange Zeit. Dies war übrigens die Zeit, in der ich mich nicht wirklich gut fühlte. Ich war nicht ich selbst, spielte eine Rolle, nur um von meiner Außenwelt angenommen zu werden. Wirkliche Freundschaften brachte mir dies auch nicht, sondern nur oberflächliche, die sich darauf beschränkten shoppen zu gehen oder zu feiern. Richtige Gespräche fanden fast nie statt, so das ich sogar bei intimeren Fragen stets auf mich selbst gestellt war. 

 

Irgendwann hatte ich die Schnauze voll und wollte dieser Welt entkommen. Der Drang wieder zu lesen war zurück und eine Anmeldung in der Bibliothek erfolgte. Ich las und las und las und fühlte mich wohl, doch im Hintergrund, hatte ich eigentlich immer noch dasselbe Problem. Ich hatte niemanden, mit dem ich Bücher reden konnte. Hier muss ich erwähnen, dass ich nicht gerade sehr auffällig bin und mein Charakter für viele, viel zu anstrengend ist. Ich wurde schon oftmals als nervend bezeichnet und auch sehr schnell wieder vergessen. Dies sind mittlerweile Dinge, die mir nicht mehr sehr weh tun. Ich habe mich eben daran gewöhnt. Trotzdem war es mein größter Wunsch mit irgendwem über Bücher zu reden. 

 

Die Lösung kam auf einer Hobbymesse.

 

Zu dieser begleitete ich mein Freund, da er dort Freunde treffen wollte. Da ich niemanden da kannte, setzte ich mich zu der Freundin von einem seiner Freunde und wir kamen ins Gespräch. Ihr glaubt nicht, wie baff ich war, als ich erfuhr das sie über Bücher bloggt. Während unserer Tour durch die Messehallen quetschte ich sie zu diesem Thema aus. Es brauchte dann noch einige Zeit, bis ich mich wirklich mit dem Thema befasste, denn mittlerweile war mein Nervenzusammenbruch geschehen und meine Welt nicht mehr dieselbe. Doch dann war es soweit und ich erstellte meinen ersten Blog auf Blogspot. Natürlich war dies etwas Neues, in das man sich einleben musste, aber der Wille war da. Doch allein beim Blog blieb es nicht und ich legte Accounts auf den verschiedensten Seiten an. Twitter, Instagram, Lovelybooks & Co. waren und sind noch immer mein Himmel, denn hier traf ich Personen, die ihre Meinungen zu ihren Büchern sagten, die meine Meinungen lasen und mit denen es zu interessanten Diskussionen kommen konnte. 

 

Auch wenn es mein psychischer Zustand es nicht immer wahrhaben will, so sind die Blogger, die meinen Blog besuchen und die Blogger auf anderen Plattformen, die Menschen, die mir endlich das Gefühl geben, dass ich seit meiner Kindheit wollte. Ich habe jemanden, mit dem ich über Bücher sprechen kann und ich gehöre dazu. 

 

Seit 2 Jahren betreibe ich jetzt Blogs und kann nur sagen, das dies die schönste Erfahrung ist, die ich je machen konnte. Mein besonderer Dank gilt aktuell der Maria von „Der Buchdrache„, die mittlerweile persönlich kennenlernen durfte und mit der ich nicht nur über Bücher schnattern kann, sondern auch über privates und gesundheitliches. Es ist ein echter Austausch, in dem wir aufeinander achten und ich muss mich immer noch daran gewöhnen, denn sowas hatte ich noch nie. 

 

Was will dieser Beitrag sagen? 

 

Ehrlich gesagt nichts, denn die Entscheidung liegt immer bei einem selbst. Trotzdem habe ich eine Meinung und die möchte ich äußern. Akzeptiert sie oder lasst es bleiben, wie ihr wollt. Aus meiner Erfahrung heraus kann ich nur sagen, dass ich vielleicht anders geworden wäre, wenn jemand da gewesen wäre. Sorgt dafür das eure Kinder stets auch Lesefreunde haben, mit denen sie sich austauschen können, vielleicht sogar Bücher tauschen. Klar gibt es auch diejenigen, die in Ruhe ihre Bücher lesen wollen und es dann für sich selbst auseinander nehmen, das ist auch vollkommen ok.  Wenn dies aber nicht so ist, sollte dafür gesorgt sein, das sowohl Kind als auch Erwachsener die Möglichkeit hat, sich zu öffnen. Ich tue das jetzt und habe endlich das Glücksgefühl beim Lesen, das ich immer wollte. Danke, an alle dafür. 

 

 

  • Dieser Beitrag war spontan und nicht geplant, weswegen er nicht gerade penibel durchstrukturiert ist.