auch wenn ich für Außenstehende meist das lächelnde Mädchen bin, das ein paar flotte Sprüche ausklopft, so fällt dieser Vorhang sehr schnell, wenn ich alleine bin. Dann werde ich ruhig, etwas desorientiert und besonders, schweigsam. Liegt dies an meiner Medikation? Keine Ahnung, aber ich weiß das ich vor 5 Jahren, als ich meinen Zusammenbruch hatte, durchgehend diese stille Maus war, die mit niemandem sprach, für sich alleine blieb und einfach alles über sich ergehen ließ. 

 

Damals nahm ich noch keine Medikation. Doch was ist jetzt? Aktuell schleiche ich meine Antidepressiva aus, da meine Psychiaterin der Meinung war, dass dies auch langsam Zeit wurde. Der Meinung war ich übrigens auch, denn gerade meine Abendmedikation haute mich meist so vom Sockel, das ich selbst tagsüber nicht in die Gänge kam. Dabei nahm ich zusätzlich noch Medikation die mir dabei helfen sollte, wieder aktiver zu werden. (eine andere Formulierung fiel mir gerade nicht ein) Sagen wir es so, sie sollte meine Stimmung am Tag heben, so dass ich für die Therapien bereit war. Diese merkte ich meist aber kaum, da das Retard-Medikament noch immer wirkte. Ohne Mittagsschlaf war ich meist an den besten Tagen nicht zu gebrauchen. 

 

Was ich nahm? 

Am Ende war ich bei :

400 mg retard Quetiapin

2x 150 mg Venlafaxin

und

50 mg Mirtazapin 

 

Klingt erst einmal nicht viel, ist es auch nicht, denn ich habe schon deutlich höhere Portionierungen gesehen. Meine Mutter hieß die Medikamente nie gut, da sie meinte, sie würden mir nicht helfen. Hier muss ich jedoch gestehen, das meine Mutter immer noch nicht so wirklich mit meinem Zustand zurechtkommt. Sie versteht nicht, was passiert ist und kann sich nicht erklären, wie ich seit ungefähr meinem 13. Lebensalter psychische Probleme habe. 

 

Nach meinem Zusammenbruch bekam ich übrigens das erste Mal in meinem Leben Antidepressiva und konnte erst einmal nichts Neues feststellen. Ich bin jemand, der stets auf eine Wirkung wartet und konnte hier keine finden. Somit wurde mir dieses Medikament schnell wieder genommen. Als ich stationär war, bekam ich dann die oben genannten Medikamente bis ich bei jener Dosierung war. Dies blieb ca. 3 Jahre so, bis ich für mich selbst entschied den Medikamenten Adieu zu sagen und wählte dafür eine harte Methode: den kalten Entzug. 

 

Ich nahm nie Drogen und rauchen war für mich immer igitt, weswegen ich so etwas wie einen Entzug noch nie gemacht hatte. Doch nun war es soweit und mein Körper zeigte mir, wie es ist ohne Medikamente klarzukommen. Es war die Hölle, um es einmal freundlich auszudrücken. Kälte und Hitze wechselten im Sekundentakt, Schlaf war nicht möglich, wach sein aber auch nicht wirklich, da ich absolut nicht wusste, was ich tun soll. Meine Emotionen kochten über und ließen mich weinen, lachen und wieder weinen. Ich war ein Wrack, das nicht einmal mehr links und rechts auseinanderhalten konnte. Ich konnte meist nur auf dem Sofa sitzen und die weiße Wand anstarren und selbst da ging mir alles mögliche durch den Kopf. Nach 5 Tagen war ich seelisch so fertig, das ich wieder meine Medikamente nahm und meinen ersten richtigen Schlaf seit Tagen hatte. 

 

Daraufhin wechselte ich meinen Arzt und es begann das, was ich wollte. Wir fingen an meine Medikamente auszuschleichen. Gerade zu Anfang stellten sie auch hier Entzugserscheinungen ein, auch wenn nur ein Medikament um 25 mg verringert wurde. Diese ließen aber recht schnell nach, was mich dann ehrlich gesagt doch ein wenig beruhigte. Ich hatte Angst wieder durch diese Hölle zu müssen. 

 

Aktuell bin ich bei :

100 mg retard Quetiapin

100 mg Filmtablette Quetiapin

2x 150 mg Venlafaxin

 

Ich habe mit meiner Psychiaterin erst einmal vermehrt probiert das Quetiapin nicht nur zu verringern, sondern auch auf Filmtablette zu verändern. Dies hat für mich den Vorteil, das sich mein Schlafverhalten nicht bis in den Tag zieht. Ich habe zwar immer noch hin und wieder das Verlangen nach mehr Schlaf, aber es ist deutlich weniger geworden. 

 

Leider werde ich demnächst gezwungen sein, meine Psychiaterin zu wechseln und bin gespannt, was diese für richtig hält. Leider wird sich hier mein Weg wieder spalten, denn zum einen möchte ich die Absetzung meiner Medikamente und zum anderen nicht. Ich bin stets im Meinungswechsel, wobei die Argumente dafür auch noch variieren. In solchen Momente merke ich leider, das ich noch nicht ganz Herr über meinen Kopf bin und die Gedanken noch nicht so steuern kann, wie ich es gerne würde. 

Zusammenfassung

 

Der Grund für mein ausschleichen ist und war, das ich versuchen möchte, ohne Medikamente klar zu kommen. Ob dies tatsächlich gelingt, steht noch in den Sternen, zumal ich aktuell nicht gerade fit bin und schon viele Tage des Jahres wie ein Zombie verbracht habe. Zudem soll euch der Beitrag darauf hinweisen, was passiert, wenn ihr ausschleicht. Hier ist natürlich jeder Körper einzigartig, aber Entzugserscheinungen werden wohl alle haben. Von einem kalten Entzug würde ich übrigens stets abraten, da er dazuführen kann, das ihr euch Schaden zufügt. Auch das Ausschleichen sollte unter ärztlicher Sicht erfolgen.

Wenn ich wieder ein Stück weiter bin, werde ich erneut einen Beitrag dazu verfassen. 

2 thoughts on “[Mein Leben mit…] Antidepressiva und mein derzeitiger Auschleichungsprozess (Triggerwarnung)”

  1. Ich werde es ohne Arzt ausschleichen. Ich hab durch diverse Krankheiten so viele Medikamente. Der Cocktail kann nicht gesund sein….
    Viel Erfolg dir!
    Lg, Claudia

    1. Liebe Claudia,

      ich würde mich bei dir wohler fühlen, wenn du es mit Arzt machen würdest, denn dieser kann vielleicht eher sehen wann man wieder verringern könnte. Ich hoffe du überlegst es dir noch einmal.

      Liebe Grüße von mir

Ich freue mich stets über Kommentare.